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Theaterspielen gehört mit zu den ältesten Institutionen von Otterstedt. Die ersten Aufführungen gab es schon 1901 – man kann also sagen, wir blicken auf eine über 100jährige Tradition zurück. Im Jahre 1900 wurde in Otterstedt der Posaunenchor gegründet, auch damals waren die Kassen leer und die Erlöse aus den Theateraufführungen durch den Posaunenchor wurden für neue Instrumente und Noten verwendet. Es wurde jeweils ein ernster hochdeutscher Mehrakter, sowie eine Komödie gespielt. Geübt wurde reihum bei den Mitspielern und die letzten Proben vor der Premiere waren dann auf der Bühne im Saal bei „Von Greifenkranz“, dem heutigen Gebäude der Fam. Franke in der Hauptstrasse, wo auch die Aufführungen statt fanden. Es gab ein Rahmenprogramm, mitgestaltet durch die Posaunen bzw. dem Chor. Auch in den umliegenden Dörfern wurden die eingeübten Stücke aufgeführt. Im Laufe der Jahre  wurden die Aufführungen jedoch immer wieder unterbrochen, bedingt auch durch die beiden Weltkriege und dann muss es auch immer Leute geben, die Lust und Zeit zum Theaterspielen haben, sowie jemand, der es in die Hand nimmt..

Seit 1976 finden wieder regelmäßige Theatervorführungen im Gemeindesaal der Kirchengemeinde statt, da Raum und Bühne bei „Von Greifenkranz“ nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Theatergruppe ist eher zufällig, aus einer Not heraus, entstanden. Wir waren eine Jugendgruppe, in der auch Jugendliche aus Dipshorn dabei waren und irgendwann kam die Frage auf „: Was können wir mal

machen „? Die Idee ein plattdeutsches Theaterstück zu schreiben und aufzuführen entstand. Dagmar, Joachim und Manfred haben sich an die Arbeit gemacht und „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist“ konnte eingeübt werden. Das Stück war sehr variabel  man konnte Rollen einbauen oder streichen, wie es gerade so passte. Das Grundgerüst jedoch stand. Fast ein Jahr haben wir unsere Freizeit damit verbracht, das Stück einzuüben, die Dipshorner sind nach und nach weg geblieben. Geprobt wurde im Gemeindesaal, mit den Sachen, die dort vorhanden sind.

Zur Aufführung hat uns der Kirchenvorstand eine Bühne mit den Holzbohlen, die normalerweise zum Missionsfest dienen, aufgebaut. Fast die hälfte des Raumes war ausgefüllt. Der Vorhang wurde selbst aus Bettlaken zusammen genäht, Teile davon gibt es immer noch. Ohne die Unterstützung der Eltern hätten wir es wohl nicht geschafft, da wir noch sehr jung waren, keine Erfahrung hatten und recht unbekümmert daran gegangen sind. Nicht zu vergessen Tante Adele Greiner, sie hat geholfen wo sie konnte, hatte aber auch so ihre liebe Last mit uns in unseren gemeinsamen Jahren.

Angespornt durch die große Resonanz des ersten Stückes haben wir entschieden, auf jeden Fall weiter zu machen und 2 Einakter wurden für das nächste Jahr in Angriff genommen: „De Peerhannel“ und „Naverskinner“. Das Stück „ De Peerhannel“ gab es auch schon mal in einer früheren Besetzung, in der auch Adele Greiner mitgespielt hat. In den ersten Jahren hat uns regiemässig Pastor Siebel unterstützt und sicherlich auch gefördert, dass in Otterstedt wieder Theater gespielt wird. Auf einer Freizeit in einem alten Kloster Kirchberg hatten wir zusammen viel Spaß. Mit der Zeit gab es jedoch Differenzen hinsichtlich der Stücke, die wir aufführen wollten und unsere Wege haben sich getrennt. Die Tradition, auch ein ernstes Stück aufzuführen haben wir von unseren Vorgängern nicht übernommen, unsere Divise ist: Das Leben ist ernst genug, wir wollen zur Erheiterung beitragen. Hans Windler ,später auch Christof Holsten sind in die Bresche gesprungen und haben uns weiter begleitet. Bei den Übungsstunden stand immer der Spaß im Vordergrund, oft haben wir nicht so viel auf die Reihe bekommen und es war für die begleitenden Personen ziemlich zeitaufwendig. Nun proben wir schon seit vielen Jahren in eigener Regie. Alles ist in einer Hand, Stücke aussuchen, Rollen verteilen, proben und natürlich auch die Bühnen bauen. Viele Samstage verbringen wir im Gemeindehaus bis die Bühnen so aussieht, wie nach dem Öffnen des Premierenvorhangs. Um geeignete Kostüme bzw. andere Utensilien zu bekommen wird bei Freunden, Nachbarn und Bekannten rumgefragt. Im laufe der Zeit hat sich schon ein recht großer Fundus angesammelt

Vor der Aufführung unseres ersten Dreiakters „ Dat Doktorbook“ hat der Kirchenvorstand in Eigenarbeit aus Schweine- u. Hühnerstall die jetzige Bühne gebaut. Der Raum konnte dann über 100 Zuschauern Platz bieten. 1982 wurde die Rückwand der Bühne von Herma Hinrichs mit einem Landschaftsbild bemalt, dass bei allen Stücken, die im Freien spielen, zu sehen ist. 1993 hatten wir die Idee, eine Tribühne zu bauen, damit man auch in den hinteren Reihen noch gut gucken kann.

Pastor Bull war ein Förderer unserer Gruppe. Nie vergessen wir die erste Generalprobe in seiner Amtszeit in Otterstedt – die Nacht war sicher schlaflos. Die Premiere hat ihm jedoch positiv überrascht. Mit seiner Unterstützung haben wir es dann auch gewagt, zu unserem 10jährigen Jubiläum ein Fest zu organisieren. Uns schwebe“ Danz op de Deel“ vor, wie man es früher auch feierte. Im Juni 1986 haben wir mit viel Arbeit verbunden Schlüter’s Scheune ganz toll rausgeputzt, den Einkater „ De ole Kommod“ aufgeführt und ein tolles Fest gefeiert. Wir hatten so viel Spaß dabei, dass wir schon sehnsüchtig auf die nächste runde Jahreszahl gewartet haben. In die Tat umgesetzt haben wir es dann aber doch erst wieder zum 25jährigen Jubiläum im Oktober 2001, diesmal bei Wetjens auf der Diele mit dem Stück „ Wi kriegt Besöök“. Die Atmosphäre auf einer Diele ist toll und alle, die mit uns gefeiert haben, hat es Spaß gemacht. Allen, mit denen wir in den letzten 25 Jahren auf den Brettern, die, die Welt bedeuten, im Gemeindesaal zusammen gespielt haben, hatten wir eine Einladung geschickt und wer es einrichten konnte, war auch dabei.

Angefangen mit zuerst 3 Aufführungen pro Saison sind es inzwischen 9 Vorstellungen geworden und überlegen jetzt, ob wir es im nächsten Jahr wagen können, noch eine weitere dran zu hängen. Für viele Fans gehören die Aufführungen schon zum festen Bestandteil Anfang des Jahres. Bis auf „ Dat Doktorbook“ wurde bis jetzt noch kein Stück doppelt gespielt, versuchen die Klassiker des Ohnesog Theaters so mit ein zu streuen und einer unserer größten Erfolge hatten wir mit „ Tratsch im Treppenhaus“ Einige Stücke sind vielleicht ähnlich gestrickt, vergleichen kann man sie aber nicht – jedes wirkt auch durch seine Mitspieler anders. Die Erlöse aus den Aufführungen wurden immer für Projekte der eigenen Gemeinde gespendet. 

Zuerst sind wir nur durch unsere jährlichen Theateraufführungen in Erscheinung getreten, mit den Jahren versuchen wir uns auch noch anders in das Gemeindeleben ein zu bringen. Sind bei „ Spiel ohne Grenzen „ und wenn es zeitlich passt, am Erntefestumzug dabei, mit einer Bude auf dem Weihnachtsmarkt vertreten, gestalten hin und wieder einen Plattdeutschen Gottesdienst und seit 3 Jahren organisieren wir: Radeln für die Pastorenstelle.

Mit unseren Sketchen sind wir auf Jubiläumsveranstaltungen der anderen Vereine im Ort auch gern gesehene Gäste. Die eine oder andere Idee würde uns bestimmt noch einfallen, vieles ist eine Zeitfrage wenn man Beruf und Familie auch noch unter einem Hut bringen muss. Einige Akteure der ersten Stunde sind immer noch dabei, jedoch freuen wir uns über Nachwuchs, dass es auch in den nächsten Jahren noch Plattdeutsches Theater in Otterstedt zu sehen gibt und noch viele Jubiläen gefeiert werden können.

Text zum 25jährigen Jubiläum im Oktober 2001


Gruppenbild vom 02.10.2001 zum 25-jährigen Jubiläum mit ehemaligen Spielern und aktiven Mitgliedern der Theatergruppe Otterstedt bei Albers auf der Diele in Otterstedt

 


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